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Interview mit Sean Bagshaw

Sean Bagshaw ist Landschafts- und Reisefotograf, Fotografiepädagoge und erfahrener Fotojunkie aus Ashland, Oregon. Er arbeitet seit 2004 hauptberuflich als Fotograf und war zuvor Mittelschullehrer für Naturwissenschaften. Er begann im College zu fotografieren um seine Abenteuer von Klettertouren und Bergsteiger-Expeditionen aufzuzeichnen und zu teilen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich seine Fotografie von der reinen Dokumentation hin zum künstlerischen Ausdruck. Mittlerweile verbringt er viel Zeit damit, dem Licht nachzujagen, in seinem Truck zu schlafen, schlecht zu essen und duschen zu vermeiden.

Die Fotografie hat Sean bisher viel Freude gemacht und ihm eine grosse Anzahl Freunde beschert. Ganz oben auf der Liste steht die Mitgliedschaft im Photo Cascadia Team – einem Fotogarfenverbund, die Reisen die er mit Christian Heeb leitet und die Zusammenarbeit mit Tony Kuyper, dem Pionier der Luminanzmasken. Seine frühere Karriere als Lehrer für Naturwissenschaften hilft ihm bei seinem Unterricht zu fotografischen Themen. Wenn er also nicht selber fotografiert, unterrichtet Sean gerne und gibt weiter, was er über Fotografie und Bildentwicklung weiss. Über seine Website und seinen YouTube-Kanal gibt er Kurse zur Entwicklung digitaler Bilder, hält Vorträge und bietet Video-Tutorials an.

www.youtube.com/seanbagshaw

Christian Heeb: Sean Du bist ein Meister der Luminanzmasken und ein Kumpel von Tony Kuyper. Warum brauchen wir Luminanzmasken und wie erfolgreich sind Deine Kurse?

Sean Bagshaw: Die Kurse laufen gut. Es scheint ein anhaltendes Interesse an Fotografie und Fotobearbeitung zu bestehen, daher suchen viele Menschen nach gutem Lernmaterial. Es ist eine Menge Arbeit, Videokurse zu produzieren, aber sie sind eine erschwingliche Möglichkeit für Menschen zu lernen und zudem für ein weltweites Publikum zugänglich.

Die kurze Antwort zum Thema Luminanzmasken lautet: Wir brauchen sie nicht. Sie sind schwierig zu lernen und keine magische Lösung, die jedes Bild zu einem Meisterwerk macht. Es ist durchaus möglich, Fotos auf höchstem Niveau zu entwickeln ohne Luminanzmasken oder Photoshop zu verwenden. Bei jedem Handwerk oder jeder Kunst können die Werkzeuge, die wir verwenden, ein Faktor sein. Luminanzmasken sind einfach fortschrittliche Werkzeuge, die einem erfahrenen Benutzer eine sehr feine, zielgerichtete und differenzierte Kontrolle über Bildanpassungen bieten können. Auf diese Weise können sie für Menschen wichtig sein, die in ihrer Arbeit ein solches Mass an Kontrolle und Nuance suchen.

 

Christian Heeb: Bist Du immer noch am Landschaften fotografieren oder hast Du endlich genug Bilder von Bergen und Blumen im Gegenlicht?

Sean Bagshaw: Nun, wie viele von uns bin ich in den letzten Monaten seit Beginn der Pandemie zu Hause geblieben. Das Fotografieren in der Landschaft ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, aber ich mache es nicht so oft, wie ich es gerne hätte. Es ist eine grosse Herausforderung, meine Zeit zwischen dem Aufenthalt im Büro, der Arbeit an Projekten, der Vorbereitung von Präsentationen und der Erstellung von Photoshop-Kursen, der Organisation und Leitung von Feldworkshops, dem Unterrichten von Kursen, dem Sprechen auf Konferenzen und meinen eigenen Fotoreisen richtig aufzuteilen. Ich lege auch grossen Wert darauf, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen – besonders jetzt, wo meine Söhne fast bereit sind, das Nest zu verlassen. Ich hoffe, dass ich in nicht allzu ferner Zukunft mehr Zeit habe für meine eigene Landschaftsfotografie und -erkundung.

 

Christian Heeb: Wo siehst Du die Zukunft der Landschaftsfotografie? Gibt es noch eine Möglichkeit, Geld zu verdienen und davon zu leben?

Sean Bagshaw: Ich habe keine Ahnung, wie die Zukunft aussehen wird. Aus bestimmten Perspektiven betrachtet scheint eine Karriere in der Landschaftsfotografie schon fast unmöglich zu sein. Seit fast 20 Jahren bin ich immer wieder überrascht, dass ich es irgendwie geschafft habe und dass es funktioniert. Andererseits lässt mich die Tatsache, dass ich einige Leute kenne, die ihren Lebensunterhalt mit Landschaftsfotografie verdienen, erahnen, dass es mehr Möglichkeiten geben muss, als man denken würden. Seit vielen Jahren verlagert sich das Einkommen in Richtung Coaching und Lehren der Fotografie und viele arbeitende Fotografen verdienen ihren Lebensunterhalt auf diese Weise. Ich kenne aber auch Fotografen – auch mich – die immer noch zumindest einen Teil ihres Einkommens mit kommerziellen Jobs, Buchveröffentlichungen, Druckverkäufen und Bildlizenzen verdienen. Wie lange dies noch so bleiben wird, ist unklar.

 

Christian Heeb: Was sind deine 3 Lieblingsorte in Oregon zum Fotografieren?

Sean Bagshaw: Überall in Oregon gibt es grossartige Motive, aber ich tendiere dazu, mich auf weniger bereiste Gebiete zu konzentrieren. Ich liebe besonders die Wüstenschluchten im Osten. Ich geniesse auch die Südküste und die Flüsse an den Westhängen der Cascade Range. Obwohl sich die Redwoods in Nordkalifornien befinden, fühlen sie sich für mich wie in Oregon an.

Sean Bagshaw

 

Christian Heeb: Wie lange brauchst Du um ein Bild zu entwickeln?

Sean Bagshaw: Ich glaube, es ist immer länger als ich es mir vorstelle. Ich verliere oft die Zeit, wenn ich an Bildern arbeite. In meinen Augen dauert es ein paar Minuten, um ein Bild zu perfektionieren, aber oft habe ich am Ende eines ganzen Tages nur zwei oder drei Bilder fertig. Der Durchschnitt liegt wahrscheinlich bei ein oder zwei Stunden, aber einige gehen schneller. Ich mache häufig über Monate hinweg kleine Änderungen an Bildern.

 

Christian Heeb: Welche Fotografen waren deine Vorbilder und wer inspiriert dich heute?

Sean Bagshaw: Meine frühen Einflüsse waren die Westküsten-Landschaftsfotografen der 1980er und 1990er Jahre. Leute wie Galen Rowell, Art Wolfe, Jack Dykinga und David Muench. Heute gibt es so viele Fotografen, die Fotos machen, die mich umhauen, dass ich fast taub geworden bin. Der Umfang und die Vielfalt Ihrer Arbeit haben mich seit Jahren sehr beeinflusst und die Mitglieder von Photo Cascadia sind meine ständige Inspiration. Darüber hinaus gibt es zu viele, um sie alle zu nennen, aber Leute wie Alex Noriega, Michael Shainblum, Sarah Marino, David Thompson, Alister Benn, Adam Gibbs, Inge Bovens und Marc Adamus sind immer in meinem Kopf.

 

Christian Heeb: Was waren Deine Eindrücke von der Schweiz, als Du mit uns dorthin gereist bist?

Sean Bagshaw: Die Schweiz ist ein Paradies für Landschaftsfotografie. Die Berge sind unvergleichlich schön, ebenso die Wälder, Landschaften, Flüsse, Seen und die idyllischen Dörfer. Die Infrastruktur, die Erreichbarkeit der Spots und die guten Unterkünfte machen es auch zu einem sehr angenehmen Ort zum Reisen. Es fühlt sich auch nicht besonders überfotografiert an, so wie manch andere Orte es sind.

 

Christian Heeb: Wirst du jemals aufhören, Fotos zu machen?

Sean Bagshaw: Ich hoffe nicht. Es gibt immer noch mehr zu lernen und neue Wege zu finden. Wenn ich aufhören würde, müsste ich mich fragen, unter welchen traurigen Umständen ich meine Kamera für immer weglegen könnte.

 

Christian Heeb: Welchen Rat hast du für junge und aufstrebende Landschaftsfotografen?

Sean Bagshaw: Gehe einfach raus und erkunde, lerne und fotografiere. Experimentiere so viel wie möglich und denke nicht darüber nach. Lerne von andere Fotografen und studiere ihre Bilder. Wenn Du die Landschaftsfotografie wirklich liebst, musst Du nur Deinem Instinkt folgen. Was auch immer sonst passieren mag, es wird so kommen wie es sein soll.

 

Christian Heeb: Zeig uns bitte Deine sechs Lieblingsbilder der letzten Jahre.

Sean Bagshaw: Ich konnte nicht sechs Lieblingsfotos bestimmen, aber diese sechs gehören zu meinen Favoriten:

 

Okshornan Peaks: Senja, Norwegen

Ich nahm dieses Bild mitten in der Nacht auf und war beeindruckt von der einsamen Robustheit der Landschaft. Es hat mich auch gefreut, dass das Bild die Kraft und Bewegung der Wellen vermittelt.

Sean Bagshaw

 

Summer Seclusion: Crested Butte, Colorado

Dieser Teil von Colorado ist etwas Besonderes für mich und ich habe gute Erinnerungen an das Wandern, Radfahren und Fotografieren mit Freunden. Als ich dieses Foto machte, reflektierte eine Wolke hinter mir das Licht und beleuchtete somit perfekt die Landschaft.

Sean Bagshaw

 

 

Dream of Jennifer: Nordkalifornien.

Wie bei vielen meiner Lieblingsfotos war dies ein besonderes Zusammentreffen von Ort, Atmosphäre und Zeit. Die Blumen waren besser als ich sie vorher oder seither gesehen habe und das Zusammenspiel von Nebel und Licht war magisch.

 

Nothing Beyond: Färöer.

Ich habe diese atemberaubende Landschaft an einem Nachmittag bei wechselhaftem Wetter gesehen. Für mich fängt das Bild dieses Erlebnis perfekt ein.

Sean Bagshaw

 

Lineage: Osterinsel

Ich habe viele erstaunliche fotografische Erfahrungen mit Dir und Regula dort gemacht, aber dies ist mein Lieblingsbild. Wir waren spät in der Nacht bei Vollmond im Schatten des Moai da draussen… und es war mein Geburtstag.

 

Monte Cristallo: Dolomiten, Italien.

Ich liebe es, wenn ich das Zusammentreffen einer dramatischen Landschaft, einer speziellen Atmosphäre und eines ausdruckstarken Lichts fotografieren kann.

 

www.outdoorexposurephoto.com

www.photocascadia.com

© Fotos: Sean Bagshaw

 

 

Christian Heeb gilt als einer der erfolgreichsten Reisefotografen der Welt. Er ist Bildautor von über 200 Bildbänden sowie unzähligen Kalendern und Magazinartikeln. Wenn er nicht gerade unterwegs ist um für einen neuen Bildband zu fotografieren, bietet er Fotoreisen und Workshops an. Hier können seine Angebote ausgewählt und gebucht werden: Fotoreisen und Workshops mit Regula & Christian Heeb

 

www.heebphoto.com
IG: christian_heeb_photographer
fb: christian heeb photography

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