LIGHTMAG
Image default
Reisen

Zypressen Sümpfe von Louisiana

Unser Kanu gleitet sanft durch das stille Wasser des Lake Martins bei Lafayette im US Bundesstaat Louisiana. Die Sumpf Zypressen stehen im seichten etwa einen 1.5m tiefen Wasser und wir fahren durch eine magische Welt, welche an einen alten Indianerfilm erinnert. Ein einsamer Alligator sonnt sich auf einem morschen Baumstrunk, welcher wie ein halb versunkenes U-Boot aus dem Wasser ragt. Ein Fischadler Pärchen beobachtet uns von ihrem Hochsitz auf einer grossen Zypresse. Im dichten Gewirr der Bäume bewundern wir das Spanisches Moos, welches wie die Bärte verrunzelter Waldschrate von den Bäumen hängt. Schneeweisse Reiher stehen wie erstarrt am Ufer und lauern auf Frösche und kleine Fische.

Der Französische Dichter François-René de Chateaubriand schrieb das wohl erste Indianer Buch” Atala”, welches im Jahre 1801 publiziert wurde und hier in den Sümpfen spielt. Die Franzosen waren es, die hier die ersten europäischen Siedlungen anlegten und ihr Einfluss spielt noch immer ein kulturelle Rolle in Louisiana. Nicht zuletzt geht der Name des Staates auf den französischen König Louis XIV zurück.

Wir haben bereits einige Bootstouren gemacht im Atchafalaya Basin. Wir sind mit Air Boat unter dem Interstate 10 Freeway durchgefahren und haben bei Houma eine Bootstour am Intercoastal Waterway durchgeführt. Lake Martin aber schlägt alles in Sachen Schönheit. Es gibt noch ein paar weitere Stellen im riesigen Delta wo man uralte Zypressen sehen kann, aber auch dort braucht man ein Kanu um das richtig zu erleben.

Am nächsten Morgen liegt dichter Nebel über dem See und unsere Kanutour fühlt sich noch mystischer an. Die verschlungenen Wasserwege führen durch ein Gewirr von Bäumen und grüner aquatischer Vegetation, welche unserem vordringenden Boot weicht. In der Ferne hören wir, wie Flugzeuge im nahen Lafayette landen und werden daran erinnert, dass die Neuzeit schon lange auch hier im tiefen Süden eingetroffen ist.

Zypressen Sümpfe gibt es verteilt in fast allen Staaten des Südens. Nicht jeder Sumpf ist fotogen und alle haben unterschiedliche Charakteristiken. Die Okeefenoke Sümpfe in Georgia, der Tongaree National Park in North Carolina, der Francis Beidler Forest in South Carolina und Seen mit Zypressen wie der Caddo Lake in Texas und der Reelfoot Lake in Tennesse sind nur einige wenige fotogene Orte.

Wer als Fotograf nach Louisiana fährt, sollte sich vorher die Bilder von ein paar Sumpf-Fotografen ansehen. Etwa die von Clyde Butcher in Florida, Frank Relle in New Orleans und dem Österreicher George Popp. Alle drei haben sich fast exzessiv mit dem Fotografieren dieser Feuchtgebiete auseinandergesetzt.

Unsere Fototouren machen wir immer im Herbst, also Ende Oktober und November. In dieser Zeit ist das Wetter am beständigsten und das Klima erträglich. Der Sommer ist unfassbar heiss und feucht – während der Winter grau und öde ist. Die Zypressen haben ihre Blätter abgeworfen und der farbliche Kontrast der herbstlichen Vegetation ist dann vorbei. Der Frühling bringt frische Grüntöne, Schlangen, Alligatoren und Tornados. März und April sind zwar sehr gut zum Fotografieren der nistenden Vögel und der blühenden Azaleen und Dogwoods, aber das regnerische Wetter und die Fülle an Grüntönen empfinde ich als wenig attraktiv.

Es gibt viele Orte wo man die Sümpfe von Land oder und von Stegen aus fotografieren kann. Das Fotografieren vom Kanu aus aber macht die ganze Sache noch viel spannender und abwechslungsreicher. Erst im Boot offenbart sich dem Besucher die Schönheit und Wildheit dieser Wasserwelt.

Aus dem Kanu fotografieren ist nicht jedermanns Sache und es versteht sich, dass man seine Verschlusszeiten relativ kurz halten muss. Eine erhöhte ISO Zahl ist oft angebracht. Lokale Fotografen nutzen sogenannte Fischerstiefel – am besten solche, welche über die Hüften gehen. Ein grosses langbeiniges Stativ dazu und schon kann man auch mit Stativ im Sumpf fotografieren.

Die Sümpfe des tiefen Südens der USA liegen im Lande der Trump Wähler. Generell leben hier die ungesündesten, ärmsten und dicksten Menschen der USA. Touristen sind willkommen, aber wer als Auswärtiger genau wissen will, wie und wo man in den Sümpfen zu guten Fotos kommt, kann kaum auf die Eingeborenen zählen. Ausser man zahlt genug und findet einen Guide. Viele der guten Führer sind lustigerweise Leute aus anderen Staaten, welche sich im Süden niederliessen und die Natur der Sümpfe schätzen. Politische Diskussionen vermeidet man am besten und man sollte sich immer daran erinnern, dass hier fast jeder eine Waffe trägt. Die Leute im Süden sind generell unglaublich freundlich und hilfsbereit, was man aber nicht allzu ernst nehmen sollte. Der Spruch “come see us” heisst noch lange nicht, dass man spontan bei den Leuten vorbeischauen soll.

Geht man auf eigene Faust in die Sümpfe, sollte man sich daran erinnern, dass abgesehen von schöner Natur hier auch einige Gefahren lauern. Da sind die grossen Flösse am Intercoastal Waterway, einem riesigen den US Küsten folgenden Kanalsystem, deren Wellen man nicht unterschätzen sollte, sowie die riesigen Dimensionen der Landschaft. Irgendwann sehen die Zypressen alle gleich aus und ein gewisser Orientierungssinn und ein GPS sind hilfreich.

Es gibt wenige Arten von giftigen Schlangen, welche nicht gerne von Menschen überrascht werden. Greifen Sie also nie an Stellen, welche Sie nicht vorher optisch auf Schlangen und Spinnen abgesucht haben. Im Frühling und Sommer sind die Mücken ein Problem und ohne Spray ist es hier nicht auszuhalten. Im November, wenn die Temperaturen fallen, sind die Plagegeister kaum mehr ein Problem. Vorsicht ist bei den grossen weiblichen Alligatoren im Frühjahr angesagt, wenn sie nisten. Alligatoren sind nicht wie etwa die Krokodile in Afrika und Australien super gefährlich. Sie ernähren sich vorwiegend von Fischen, Vögeln und unglücklichen Schildkröten, Kleintieren und Schlangen und werden Menschen kaum gefährlich.

Es gibt in den Sümpfen weitaus weniger Gefahren als etwa in der Stadt New Orleans, welche als eine der gefährlichsten US Städte gilt. Abgesehen von den Sümpfen gibt es im tiefen Süden eine Vielzahl von weiteren attraktiven Motiven wie etwa die alten Sklaven Plantagen entlang dem Mississippi Fluss, die französischen Häuser in New Orleans oder die verwunschen Kleinstädte mit ihren rostigen Autos und baufälligen Schuppen, welche an die Romane von William Faulkner und John Grisham erinnern.

Nach über dreissig Jahren meiner fotografischen Tätigkeit in allen Regionen der USA übt der Süden noch immer grosse Anziehungskraft auf mich aus. Neben der natürlichen Schönheit der Sümpfe ist der Süden auch der Geburtsort unserer populären Musik von Blues, Jazz, Country bis Rock’n Roll.

Wenn Sie eine Reise in den Süden planen, dann sollten Sie sich mit diesen Filmen und dieser Musik darauf einstimmen:

FILME:

Cat on a Hot Tin Roof mit Elizabeth Taylor | Driving Miss Daisy | Cookies Fortune | Fried Green Tomatoes | Down by Law

MUSIK:

B.B.King | John Lee Hooker | Lynyrd Skynyrd | Little Feat | Johnny Cash | Louis Armstrong

 

ZUR BILDERGALERIE

 

Christian Heeb gilt als einer der erfolgreichsten Reisefotografen der Welt. Er ist Bildautor von über 200 Bildbänden sowie unzähligen Kalendern und Magazinartikeln. Wenn er nicht gerade unterwegs ist um für einen neuen Bildband zu fotografieren, bietet er Fotoreisen und Workshops an. Hier können seine Angebote ausgewählt und gebucht werden: Fotoreisen und Workshops mit Regula & Christian Heeb

© Fotos: Christian Heeb

www.heebphoto.com
IG: christian_heeb_photographer
fb: christian heeb photography

SPONSOR

Ähnliche beiträge

Schottland – der Nordwesten und die Äusseren Hebriden

Stefan Somogyi

Dempster Highway

Mel Weber

Finnland – Winterwunderland

Thomas Heitmar

Hinterlasse einen Kommentar

* Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Kommentare werden erst nach Sichtung durch die Redaktion publiziert.

error:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen