LIGHTMAG
Hochzeit

Kreativität in der Hochzeitsfotografie

Hochzeitsfotografie
Ich wurde schon einige Male angefragt, ob ich eine Hochzeit fotografieren würde. Jedes Mal habe ich dankend abgelehnt und an einen Kollegen verwiesen. Hochzeitsfotografie – das ist nichts für mich, dachte ich. Dieser Stress, ja niemanden vergessen zu dürfen, den wichtigsten Moment im Leben anderer nicht zu verhauen und alles in Romantik einzutauchen, war nicht mein Ding. Als Gast war ich schon bei einigen Hochzeiten dabei – die Fotos sahen anschliessend alle irgendwie gleich aus, nur die Personen waren ausgewechselt.. Daher empfand ich Hochzeitsfotografie immer als etwas Langweiliges, bei dem man einfach ein Standardprogramm abarbeiten muss.

Dann stiess ich im Internet auf einen Artikel über aussergewöhnliche Hochzeitsfotos. Ich recherchierte weiter und fand heraus, dass es sogar Wettbewerbe und Awards für diese Sparte Fotografie gibt. Was ich auf diesen Seiten sah, warf meine Vorstellung von der Hochzeitsfotografie völlig über den Haufen: Lustige, skurrile, traurige, intime, experimentelle Bilder wurden da präsentiert. Alles war plötzlich möglich in der Hochzeitsfotografie!

Nach der ersten Euphorie wurde mir aber klar, dass es für solche Fotos auch das entsprechende Brautpaar braucht. Mich interessierte, ob es in dieser Sparte wirklich möglich ist, eigene und aussergewöhnliche Bilder zu kreieren – oder ob diese Wettbewerbsfotos einfach eine Ausnahme darstellen. Deshalb fragte ich bei einer Hochzeitsfotografin und drei Hochzeitsfotografen nach.

LIGHTMAG:

Liege ich mit meiner Überlegung richtig, dass es sehr stark auf das Brautpaar ankommt, welche Art Fotos überhaupt machbar sind?
Gibt es da grosse Unterschiede bezüglich einer gewissen Offenheit gegenüber der Fotografin / dem Fotografen?
Habt Ihr oft die Möglichkeit, Eure Vorstellungen umzusetzen oder müsst Ihr Euch vor allem nach den Wünschen des Brautpaares richten?
Ich habe von Euch Titelbilder ausgewählt, die nicht unbedingt dem Klischee eines Hochzeitsfotos entsprechen. Wie wichtig ist es für Euch, auch solche Momente einer Hochzeit einzufangen?

 

Neben den von mir ausgewählten Titelbildern zeigen die Fotografin und die drei Fotografen jeweils noch zwei ihrer Lieblingsbilder.

 

Dominique Zwygart

www.zwyg-art.ch

Sicherlich kommt es auf die Einstellung an, wie ein Brautpaar an diese Sache herangeht. Ich versuche mich selber immer wieder zu erinnern, dass es darum geht dem Paar eine Freude zu machen. Es ist ihr grosser Tag und meine Aufgabe besteht darin, sie dabei zu begleiten und ihre einmaligen Momente in möglichst natürlicher Form in Fotos festzuhalten. Dabei geht es nicht primär um meine Bildideen, die ich umsetzen möchte. Das Paar und ihr Fest stehen im Mittelpunkt. Wenn wir dabei offen sind und ein gutes, gelöstes Miteinander finden, sind natürlich etwas verrücktere und aussergewöhnlichere Bilder möglich. Ich schätze all meine Brautpaare in ihrer unterschiedlichen Form, das macht das Ganze auch sehr spannend.

Die Brautpaare die mich als ihre Begleitung wählen, tun dies oft sehr bewusst, weil mein Stil sie überzeugt oder weil ich empfohlen wurde. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich ‘meine’ Brautpaare gezielt auswählen kann. Dies aus dem Grund, weil ich relativ wenige Hochzeiten pro Jahr annehme und das wissen die meisten Paare bereits im Vorfeld. Deshalb habe ich eigentlich nie mit Skepsis oder mit Zurückhaltung zu kämpfen.    

Nun, über die Frage, ob ich meine Vorstellungen umsetzen kann oder mich vor allem nach den Wünschen des Brautpaares richten muss, mache ich mir in letzter Zeit viele Gedanken. Ich komme zum Schluss, dass ich das ‘erhalte’ was ich zeige. Damit will ich Folgendes sagen: Der Kunde nimmt meine Positionierung, meinen Stil und meinen Auftritt wahr, sei dies auf meiner Webseite, über andere Kanälen oder durch eine Empfehlung. Dadurch fühlt er sich entweder angesprochen oder nicht.

Somit erhalte ich genau das, was ich vertrete und bin. Aus dem Grund überlege ich mir jeweils gut, was ich an Bildern veröffentliche oder welche ich nicht zeige. So kann ich meine Anfragen etwas lenken. Um auf deine Frage zurückzukommen: Ich bin immer offen für die Wünsche des Brautpaares und höre gut zu, was sie sich wünschen oder nicht wünschen. Im Gegenzug nehme ich mir dies ebenso heraus. Schlussendlich wird das ein Miteinander und jedes Brautpaar ist auch offen und dankbar für meine Ideen, Erfahrungen und Anregungen.

Persönlich wünsche ich mir natürlich immer etwas Spezielles umsetzen zu können. Seien dies spontane, witzige, emotionale Momente oder auch aussergewöhnliche Stimmungen. Meiner Ansicht nach geht es allerdings immer um den einzigartigen Tag für das Brautpaar. Sie stehen immer im Vordergrund. Was ich mir als Fotografin wünsche, hat da keine Priorität. Es gilt, sich gelassen und fröhlich in den Tag und das Geschehen hineinzugeben und das festzuhalten, was da ist und was sich ergibt.

 

Roman Burri

www.roman-burri.ch

Klar kommt es auf das Brautpaar an, welche Bilder machbar sind und welche nicht. Manche sind mutiger und trauen sich mehr zu, andere ein bisschen weniger.

Die Wettbewerbsfotografie darf sowieso nicht als Referenz herangezogen werden, das gilt aber für beinahe jeden Bereich in der Fotografie. Bei Wettbewerben werden die Bilder so fotografiert, dass ein einziges Bild funktioniert und das ist relativ einfach. Hingegen ist es schon eher eine Kunst, eine ganze Reportage zu fotografieren, bei der die Bilder gut zusammenpassen, die stimmig ist, viele schöne Fotos enthält und den ganzen Tag aus Sicht des Fotografen erzählt. Dies über einen Zeitraum von 12 Stunden zu fotografieren ist eine Herausforderung und eine grosse Ehre.

Ich versuche, nicht die Paare anzusprechen, welche mir Wünsche zuspielen wie sie gerne fotografiert werden möchten – sondern die Paare finden zu mir, weil sie Bilder in meinem Stil haben möchten.

Also ist es wichtig, dass ich meinen Stil ausleben kann und so fotografieren kann wie es für mich funktioniert um zu diesem Ergebnis zu kommen.

Möchte ein Brautpaar trotzdem einmal andere Fotos haben als solche, die ich mache und sie wünschen, dass ich zum Beispiel die Bilder knalliger bearbeiten soll oder was auch immer, dann ist es ganz einfach nicht mein Brautpaar und ich sage ihnen dankend ab.

Nicht falsch verstehen, ich berücksichtige sehr gerne die Wünsche des Brautpaares und gehe auch auf sie ein, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Denn der Fotograf muss zu dem Brautpaar passen und damit der Fotograf sein bestes Ergebnis abliefern kann muss man ihm freie Hand lassen.

Mir ist es sehr wichtig, auch Bilder zu machen welche nicht unbedingt dem typischen Klischee entsprechen um dadurch etwas Neues zu erschaffen. Ich glaube es ist eine Mischung aus beidem. Das Brautpaar erwartet natürlich auch gewisse Klassiker welche ich auch gerne fotografiere. Trotzdem ist man immer auf der Suche nach etwas Neuem, wie bei meinem Titelbild, bei dem ich mit dem Brautpaar im Zug unterwegs bin und auf die Jungfrau hochfahre. Das ist ein typisches Foto mit welchem man sicher keinen Wettbewerb gewinnt, aber genau diese Bilder machen doch die eigene Hochzeit zu etwas Speziellem und Einzigartigem.

 

Tobias Ryser

www.tobias-ryser.ch

Das Wichtigste an der Hochzeitsfotografie ist das Vertrauen. Wenn mir das Brautpaar voll vertraut, sind auch Bilder möglich, die Spontanität und Offenheit erfordern. Das Paarshooting ist jeweils ein intimer Moment und bedarf viel Fingerspitzengefühl.

Als emphatische Person kann ich aber sehr gut damit umgehen. Am schönsten ist es, wenn man mit dem Brautpaar eine Bildidee gemeinsam entwickeln kann bis alles passt. Leider fehlt dazu aber oft auch etwas die Zeit während des Shootings..

Mit einer Hochzeitsreportage versuche ich jeweils eine Geschichte zu erzählen. Dazu gehören auch Schnappschüsse, welche auf eine humorvolle Art die Realität einer Hochzeit aufzeigen. Beim Paarshooting selber ist es mir wichtig, ästhetisch und einfallsreich zu fotografieren: ein Spiel aus Hochzeitspaar, Landschaft, Licht und Schärfe/Unschärfe

 

Jan Geerk

www.kantlicht.ch

Ja und nein. Natürlich hat das Brautpaar einen grossen Einfluss auf die Fotos. Aber eher in zeitlicher Hinsicht. Oft hat man für die kreativen Fotos einfach zu wenig Zeit, da der Zeitplan sehr eng getaktet ist an einer Hochzeit und man sich als Hochzeitsfotograf erstmal beeilen muss, die Standardbilder gut zu erledigen. Wenn dann noch Zeit bleibt und es sich mit der Location und dem Brautpaar ergibt, sind kreative Aufnahmen möglich und eigentlich immer gerne gewünscht vom Paar. Das von dir ausgewählte Bild war ein Schnappschuss. Es entstand auf der Insel Capri als wir von der Trauung zur Partylocation fuhren. Ich wurde im Cabrio vor dem Brautpaar gefahren und fotografierte nach hinten raus, als sich diese Szene ergab. Es war ein Sekundenbruchteil und ich realisierte bei der Aufnahme gar nicht, was es für ein toller Schuss geworden war.

Die erste von mir ausgewählte Aufnahme mit den zuprostenden Gästen ist eine meiner absoluten Lieblingshochzeitsbilder. Die Idee kam uns zusammen gleich vor Ort. Das Paar war äusserst kreativ und wir hatten eine Menge Spass dabei kreative Bilder zu machen.

Die dritte Aufnahme von mir entstand auch auf Capri. Hier war eine Menge Planung und zeitlicher Stress dabei, da die Sonne am Horizont unterging und wir die Brautjungfern erst alle zusammensuchen und die Pose richtig inszenieren mussten. Die Grundidee der Pose kam von der Braut, die Umsetzung mit dem Sonnenuntergang von mir. Es war ein Zusammenspiel, welches dann zum fertigen Bild führte. Dabei ist meine Lieblingshochzeitsaufnahme entstanden.

Es gibt grosse Unterschiede ja. Manche Brautpaare sind selber sehr kreativ und wollen gerne spezielle Aufnahmen. Manchen ist der Fotograf gar nicht so wichtig. Die wollen einfach eine Dokumentation. Es ist auch zu 95% die Braut, die bestimmte Vorstellungen der Fotos hat – der Bräutigam macht oft einfach nur mit. Ich habe eigentlich immer die Möglichkeit meine Vorstellungen umzusetzen, wenn es die Zeit und Location erlaubt. Oft wäre das beste Licht im Sommer. Aber dann, wenn alle schon am Essen sind, gehe ich nicht zum Brautpaar und sage ihnen, sie sollen nochmal rauskommen weil das Licht grad so schön ist. Es ist auch wichtig, ein Gespür zu haben, wann man das Brautpaar nicht stören soll, da es auch nicht nur um die Fotos geht, sondern darum, dass das Paar einen schönen Tag verbringt. Gewisse Ideen sind auch übertrieben und einfach nicht umsetzbar. Zum Beispiel ist es keine gute Idee, das Brautpaar von oben auf dem Boden liegend fotografieren zu wollen, da dann die schicken Kleider dreckig werden.

Oft kann man auch schon im Vorgespräch heraushören wie sehr das Brautpaar an speziellen Fotos interessiert ist und dann auch vorausplanen. Da ich als Fotograf meistens schon sehr früh angefragt werde (manchmal über ein Jahr vor der Hochzeit), bin ich dann auch eine Art Weddingplanner, da das Paar oft noch gar nicht genau weiss, was alles auf sie zukommt. Da ich schon an ca. 50 Hochzeiten fotografiert habe, kenne ich die Abläufe sehr gut und weiss genau, wo die Stolpersteine liegen. Um ein Beispiel zu nennen: Meistens werden beim Zeitplan die Gratulationen vergessen. Bei einer Hochzeit mit 200 Leuten muss man manchmal fast 2 Stunden einrechnen bis alle Gäste gratuliert haben. Das vergessen die meisten und ich mache das Paar beim Vorgespräch eigentlich immer darauf aufmerksam.

Mir ist es schon auch wichtig spezielle Momente einzufangen, doch ist es kein Muss. Mir ist wichtig als Fotograf möglichst viele tolle Bilder die den Tagesablauf dokumentieren zu erwischen. Das heisst, möglichst viele Bilder von emotionalen Momenten und den “Key Momenten” – auch von den Gästen und besonders den Familienmitgliedern – und möglichst viele gute Bilder vom Brautpaar und besonders von der Braut. Bei sehr speziellen Locations wie eben auf der Insel Capri beispielsweise ist es mir aber schon wichtig, die speziellen und kreativen Bilder machen zu können, da es einmalige Chancen auf einmalige Bilder sind. Das macht dann auch richtig Freude. Doch ist es als Hochzeitsfotograf auch immer eine Gratwanderung zwischen im Hintergrund möglichst unauffällig zu bleiben und trotzdem alles festhalten zu können. Das Wichtigste ist, dass das Brautpaar einen schönen Tag hat und sich blind auf den Fotografen verlassen kann, so dass am Ende eine Menge toller Bilder herauskommen, die den Zauber des Tages dokumentieren.

© Fotos: Dominique Zwygart, Roman Burri, Tobias Ryser, Jan Geerk

 

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass Wettbewerbsfotos und Realität zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind. Allen Befragten ist gemeinsam, dass sie das Brautpaar und dessen Fest in den Mittelpunkt stellen und nicht die eigenen Ambitionen. Das macht wohl auch ihre Professionalität aus! Auf dieser Grundlage ist es aber auch immer wieder möglich, besondere und spezielle Momente einzufangen. Was auch ersichtlich wird: Jede und jeder hat einen eigenen Stil aufgrund dessen sie/er gebucht wird – dadurch kann die eigene Kreativität durchaus in die Fotos eingebracht werden.

Auch wenn ich die Wettbewerbsfotos jetzt einmal ausser acht lasse, muss ich sagen, dass ich mein Urteil bezüglich der Hochzeitsfotografie revidiert habe. Ich ziehe meinen Hut vor denen, die sich dieser anspruchsvollen Aufgabe mit Hingabe stellen.

Zukünftige Brautpaare mögen doch einmal auf den Webseiten der interviewten Fotografin und den drei Fotografen stöbern. Allen andern möchte ich folgende Seiten ans Herz legen, da dort viele interessante Bilder zu sehen sind:

 

ISPWP International Society of Professional Wedding Photographers

https://www.ispwp.com

Fearless Photographers

https://www.fearlessphotographers.com/

Masters of German Wedding Photography

http://www.mastersofgermanweddingphotography.de/

 

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