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Dolomiten | Fotografieren bei jedem Wetter

Fotoworkshops liegen stark im Trend – es gibt kaum ein Gebiet welches nicht angeboten wird. Der bequeme Weg zu den Fotospots, für den man nicht selber recherchieren muss, wird immer beliebter. In den Köpfen sind die tollen Bilder, die man im Internet oder in Zeitschriften gesehen hat und traumhafte Motive, die man genau so aufnehmen möchte. Nicht allen ist bewusst, dass der Fotograf vielleicht tagelang auf dieses Licht gewartet oder zig Mal den Ort aufgesucht hat. Naturgemäss erwarten die Teilnehmer gute Fotos mit nach Hause bringen zu können. Die Aufgabe des Anbieters ist es, diesen Wunsch möglichst zu erfüllen.

Da ich Herausforderungen liebe – und eine solche ist ganz gewiss die Durchführung eines mehrtägigen Workshops – stellte ich mich gemeinsam mit dem befreundeten Fotografen Roland Moser dieser Aufgabe in Form eines Dolomiten Fotoworkshops.

Wir setzten uns mit dem Gebiet vorgängig intensiv auseinander, probierten die Übernachtungsmöglichkeiten selber aus und wanderten mehrere Tage stundenlang durch die Gegend um geeignete Fotostandorte zu erkunden. Immer mehr verfielen wir dem besonderen Reiz dieser Gegend. Obwohl wir als Schweizer eigentlich schon viele Berge fotografiert hatten, zog uns diese ganz spezielle Dolomitenwelt immer stärker in ihren Bann.

Nach einem heissen Sommer kündigten die Prognosen ausgerechnet für die erste Septemberwoche eher wechselhaftes Wetter an. Da es kein Zurück mehr gab, packte ich nebst der Fotoausrüstung auch eine grosse Portion Hoffnung auf stimmungsvolle Momente in den Rucksack.

Montag

Um 4:00 Uhr fuhr ich in Basel los Richtung Falzaregopass, dem Treffpunkt unserer Gruppe. Nach 8 Stunden Autofahrt inklusive diversen Pausen wurde ich auf dem Parkplatz schon von einigen Teilnehmern erwartet. Es dauerte aber noch gut zwei Stunden bis alle eingetroffen waren. Unser erstes Ziel waren die Cinque Torri. Regen setzte ein, als wir mit dem Sessellift zum Rifugio Scoiattoli hochfuhren – ein perfekter Start sieht anders aus! Die Wirklichkeit war weit entfernt von der Vorstellung welche die meisten von diesem Ort hatten.

An einem Workshop heisst es jedoch: Trotzdem rausgehen und fotografieren. Jetzt kam es darauf an, vom Hauptmotiv abzurücken und Alternativen zu suchen.

Es hatte mittlerweile aufgehört zu regnen, dafür waren die Berge und Felsen der Umgebung wolkenverhangen. Nun hiess es, den Teilnehmern aufzuzeigen, dass nicht nur Postkartenmotive sich lohnen fotografiert zu werden. Es wurde mit verschiedenen Belichtungszeiten experimentiert und so entstanden interessante Fotos von der umliegenden Landschaft.

Nach dem Abendessen wanderten wir trotz Nieselregen auf eine Anhöhe in der Hoffnung, dass die Wolkendecke aufreissen würde. Schnell wurde aber klar, dass dieser Wunsch in absehbarer Zeit nicht in Erfüllung ging und so suchte ich in der Umgebung nach Möglichkeiten, die Fotos interessanter zu gestalten. Dank gelb und rot leuchtenden Bodenpflanzen konnte den Bildern Farbakzente verliehen werden.

Da die Sonne nicht mehr zum Vorschein kam, blieb uns anschliessend nichts anderes übrig, als die Cinque Torri im mystischen Licht der Dämmerung zu fotografieren.

Dienstag

Als ich um 5:00 Uhr morgens aus dem Fenster schaute, zeichneten sich im Osten schon die ersten Wolkenbänder ab. Zudem zogen langsam Schleierwolken auf. Obwohl diese Anzeichen nicht vielversprechend waren, gingen wir nach draussen und hofften, dass der Horizont aufklaren würde. Doch das gewünschte Lichtspektakel blieb aus, denn der Himmel verfärbte sich nur leicht und die Sonne kam nicht zum Vorschein. Dies schadete der Motivation jedoch nicht, denn alle lernten dadurch schon zu Beginn dieses Workshops, dass man Wetter nicht bestellen kann, sondern wie wichtig es ist, aus der jeweiligen Situation das Beste herauszuholen.

Um unser nächstes Ziel zu erreichen, brauchten wir viel Geduld: Vor der Schranke zur Mautstrasse, welche zum Parkplatz hochführt, bildete sich ein langer Stau! Tagsüber wird das Gebiet rund um die Drei Zinnen – den bekanntesten Bergen der Dolomiten – von Besuchern regelrecht überschwemmt. Nach einer 90-minütigen Wanderung mit vollgepacktem Rucksack erreichten wir unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Die Wolken wurden dichter und wir erkundeten die Umgebung rund um die Drei Zinnen Hütte. Ich mochte den dramatischen Himmel und fand in den Bödenseen ein interessantes Kontrastmotiv. So verbrachten wir die Zeit bis zum Abendessen auf dieser Anhöhe.

Da ich wusste, dass das Wetter in diesem Gebiet schnell wechseln konnte und die Prognosen für den nächsten Tag Sonnenschein voraussagten, freute ich mich auf die folgenden Stunden bis zum Sonnenuntergang. Wie ich vermutet hatte, riss die Wolkendecke auf und wir wurden mit einem sehr stimmungsvollen Abend und tollem Licht belohnt. Ich spürte eine grosse Erleichterung, denn jetzt waren alle Teilnehmer glücklich mit ihren Aufnahmen!

Zudem konnten wir ihnen noch ein weiteres Spektakel bieten: da der Himmel immer klarer wurde und die Milchstrasse sich über den Drei Zinnen befand, übten sie sich auch noch in der Nachtfotografie.

Mittwoch

Wie erwartet, war der nächste Morgen wolkenlos und kein Lüftchen wehte. Das waren ideale Voraussetzungen um zu den Bödenseen runter zu wandern und Spiegelungen zu fotografieren.

Nach dem Frühstück merkten die Teilnehmer dann selber, dass ein blauer, wolkenloser Himmel tagsüber eigentlich langweilig und das Licht viel zu hart ist. Ausserdem erreichten bereits die ersten Tagestouristen den Platz bei der Drei Zinnen Hütte. So beschlossen die einen, sich etwas auszuruhen, eine andere Gruppe unternahm eine Wanderung um selber neue Spots zu suchen und ich kehrte mit einer Teilnehmerin zum Parkplatz zurück. Ihr Stativ war kaputt und wir mussten einen Ersatz besorgen. Zum Glück hatten wir für solche Fälle extra eines zusätzlich mitgenommen – aber es lag natürlich im Auto.

Am späteren Nachmittag suchten wir in der Umgebung unserer Unterkunft nach einem geeigneten Motiv für den Abend. Wir wollten zwar die Drei Zinnen fotografieren, aber keine grossen Wanderungen mehr machen: Alle waren etwas müde und am nächsten Tag sollte um 4:00 Uhr Tagwache sein! In den Steinblöcken auf dem Plateau vor der Drei Zinnen Hütte fanden wir einen geeigneten Vordergrund um die Berge in Szene zu setzen. Da uns diesmal die Wolken fehlten, wirkte das Motiv etwas langweilig. Die Lösung war einfach: Indem die untergehende Sonne ins Bild integriert wurde, entstand trotzdem eine spannende Komposition.

Donnerstag

An unserem letzten Tag bei den Drei Zinnen wollten wir Aufnahmen von der Lavaredo-Scharte aus machen. Dieser Spot liegt auf halbem Weg zum Parkplatz wo unsere Autos standen. Damit wir nicht nochmals zurückgehen mussten um unser restliches Gepäck zu holen entschlossen wir uns, um 4:00 Uhr mit schwer bepackten Rucksäcken loszumarschieren. Die Betreiber der Drei Zinnen Hütte stellten für uns Thermoskannen mit Kaffee und Luchpakete bereit – was für ein Service! So konnten wir vor unserem Abmarsch erst einmal gemütlich einen Kaffee trinken und hatten eine willkommene Verpflegung für unterwegs. Im Dunkeln wandert es sich leichter, da man nicht erkennt, wie weit der verbleibende Weg noch ist. Daher erschien uns die Strecke diesmal weniger anstrengend als auf der Hinreise.

Noch während der Morgendämmerung stellten wir unsere Stative auf und warteten gespannt darauf, was auf uns zukommen würde: An diesem Ort weiss man nie, wie die Bedingungen sein werden. Und tatsächlich – plötzlich stieg Nebel auf und verhüllte die ganze Landschaft um uns herum. Es war ein spannendes Schauspiel wie er sich hin und her bewegte, mal die Drei Zinnen frei gab und dann wieder alles verschluckte.

Als die Sonne aufging wurde es hektisch: Rund um uns herum begannen die Berge zu leuchten, die Sonne verschwand wieder – nur um kurz darauf einen anderen Gipfel in rotes Licht zu tauchen. Ausrufe der Begeisterung waren von den Teilnehmern zu hören, die beinahe nicht mehr wussten, in welche Richtung sie nun fotografieren sollten. Ich riet ihnen keine Zeit damit zu verschwenden aufwendige Einstellungen wie Wasserwaage einrichten etc. vorzunehmen, sondern sie sollten fotografieren was das Zeugs hält. Nach wenigen Minuten war das Spektakel vorüber und die aufkommenden Wolken deckten zunehmend die Sonne ab.

Gänzlich zufrieden mit diesem Erlebnis wanderten wir weiter bis zum Parkplatz wo wir unsere Sachen in den Autos verstauten und uns anschliessend ein Frühstück in der Auronsohütte genehmigten. Auf der Fahrt zum Pragser Wildsee – unserem nächsten Übernachtungsort – kamen wir am Dürrensee vorbei. Die Sonne beleuchtete durch die Wolken scheinend abwechselnd verschiedene Stellen dieser Landschaft. Wir warteten, bis das Licht auf die Bäume am anderen Ufer traf und konnten so im Zusammenspiel mit dem bewölkten Himmel stimmungsvolle Aufnahmen machen.

Als wir am Pragser Wildsee ankamen regnete es wieder. Nichts desto trotz stellten wir unsere Stative vor dem berühmten Bootshaus auf. Immer wieder posierten Menschen vor dem Motiv um sich ablichten zu lassen. Zum Teil wurden extra Accessoires für die Aufnahmen mitgebracht. Und dies alles nur für ein paar Likes auf Instagram… Wir merkten schnell, dass wir nach Alternativen zu diesem trendigen Motiv suchen mussten.

Freitag

Schon am Vortag war mir eine alte Fotografie, die über dem Bett hing, aufgefallen. Sie zeigte angebundene Boote neben grossen Felsblöcken, die aus dem See ragten. Damit hatten wir für den letzten Tag unser Motiv gefunden! Zwar waren keine Boote mehr dort, aber das machte nichts. Die Felsen bildeten einen perfekten Vordergrund für Aufnahmen vom See. Somit konnten wir das Bootshaus getrost anderen überlassen. Am neuen Spot waren wir übrigens völlig alleine!

Nach dem Frühstück war der Workshop zu Ende und wir verabschiedeten uns von den Teilnehmern, die rundum zufrieden und mit der Erkenntnis, dass man bei jedem Wetter spannende Aufnahmen machen kann nach Hause fuhren.

 

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2 Kommentare

Meister Ernst März 18, 2019 at 4:01 pm

Guten Tag
Jetzt wo ich diesen wundervollen Bericht über den Wokshop Dolomiten gelesen habe freue ich um so mehr auf den Workshop im September 2019.

Antwort
Redaktion März 18, 2019 at 6:54 pm

Das freut mich natürlich sehr!

Antwort

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