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Fotogalerie

Stefan Hefele

 

 

Als ich das neue Buch “Geisterhäuser – verlassene Orte in den Alpen” von Stefan Hefele & Eugen E. Hüsler das erste Mal in meinen Händen hielt, zogen mich Stefans Bilder augenblicklich in ihren Bann.

In diesem schön gestalteten Bildband, der den Fotos viel Raum schenkt, zeigt der Fotograf Aufnahmen von verlassenen Gebäuden im Alpenraum. Mittlerweile ist das Thema “Lost Places” in der Fotografenszene zwar nicht mehr gänzlich unbekannt. Aber im Gegensatz zu vielen Fotos, die ich bislang gesehen habe, variiert er es gekonnt. Er beschränkt sich nicht nur auf Innenaufnahmen und vermeidet damit beim Betrachter eine Übersättigung des Gesehenen, sondern er zeigt auch den Kontext in dem seine abgebildeten Objekte stehen und mit seinen Aussenaufnahmen unterstreicht er den maroden Zustand der Gebäude. Der gezielte und meisterhafte Umgang mit dem vorhandenen Licht und die unaufdringliche Art seiner Fotografie verleihen seinen Bildern eine ausserordentliche Ausdruckskraft. Einzelne Fotos erinnern an Filmstills oder an Stilleben alter Meister. Beim Betrachten seiner Aufnahmen überkam mich eine leichte Traurigkeit: Die Vergänglichkeit wird in den Fotos nicht nur sicht- sondern auch spürbar.

 

Bilder einer vergangenen Zeit
“Die Alpen gelten als unberührter Naturraum. Dabei werden die Berge im Herzen Europas seit Jahrtausenden von Menschen besiedelt und genutzt. Bauern, Händler, Kriegsheere und der Tourismus haben in der Landschaft Spuren hinterlassen: Menschenwerk, aus Stein wie die Gipfel rundum, der Natur abgetrotzt, später dem Verfall überlassen. Stefan Hefele zeichnet in seinen epischen Bildern diese untergegangene Welt, er nimmt uns mit auf eine Reise zu verlassenen Dörfern, auf alte Kriegswege und zu Industrie- und Tourismusruinen. Alpenkenner Eugen E. Hüsler macht in seinen Texten die Geschichte dieser Lost Places sichtbar.” Bruckmann Verlag
240 Seiten, ca. 250 Abbildungen, Format 26,8 x 28,9 cm, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN-13: 978-3-7343-1103-1

ca. 50 EUR / 56 SFR

LIGHTMAG: Viele kennen dich als Landschaftsfotograf – nun legst du einen Bildband vor, in dem die Natur eher eine indirekte Rolle in den Bildern einnimmt. Wie kamst du dazu, dich diesmal auf die Architektur zu konzentrieren und ein solches Projekt anzugehen?

Stefan Hefele: Da muss ich ein wenig weiter ausholen, denn schon als Kind war ich fasziniert von Märchen und gruseligen Fantasiegeschichten. Als Jugendlicher habe ich mit einem Freund sogar ganze Stop-Motion Filme à la Tim Burton im Keller umgesetzt. Oftmals sehr düster-melancholisch.
Damals habe ich als Miniaturkulissenbauer spooky Räumlichkeiten gebaut und mit Hilfe von Baustrahlern atmosphärisches Licht in die Szenen gezaubert. Als ich dann die Fotografie im Detail erlernt habe, kam mir dieses Handwerk wieder in der Architekturfotografie zu Gute. Wenige wissen, dass ich auch heute noch gelegentlich für Architekten fotografiere – einfach weil es mir auch Spass macht.
Nun kam mein Co-Autor Eugen Hüsler, der auch schon in unserem ersten Bildband „Alpenwelten“ sich um die Texte gekümmert hat, mit der Idee, verlassene Orte in den Alpen zu fotografieren auf mich zu. Ich war erst skeptisch, doch bald erkannte ich, dass dieses Projekt meine Urliebe zu Düsterem und Märchenhaftem, sowie meine Leidenschaft die Natur in ihren intimsten Momente festzuhalten verbindet. Als praktizierender Architekturfotograf war mir natürlich auch jene Art zu fotografieren nicht fremd. Nun konnte ich beides – Landschafts- und Architekturfotografie verschmelzen lassen. Irgendwie ein Kindheitstraum.

LIGHTMAG: Es gibt ja auch in Deutschland etliche Lost Places – warum hast du dich entschieden, solche Orte in den Alpen aufzusuchen?

Stefan Hefele: Durch das Projekt Alpenwelten bin ich quasi zum Alpen Spezialisten geworden. So kam nie ein anderes geographisches Sujet in Frage. Auch wollten wir etwas schaffen, das es bisher noch nicht gab: Einen Bildband über verlassene Orte in Ihrer spannenden Umgebung, den Alpen. Von Südfrankreich bis in den Osten des Alpenbogens.

LIGHTMAG: Ich kann mir vorstellen, dass der Aufwand sehr gross war um diese Gebäude zu finden. Wie bist du vorgegangen?

Stefan Hefele: Eugen hatte dieses Projekt bereits seit vielen Jahren auf dem Schirm. So konnte er mir zu Beginn eine schöne Liste mit Orten geben. Da diese Liste aber kaum Villen, Schlösser und Fabriken aufgeführt hatte, habe ich Tage und Wochen vor Google Maps verbracht und mich Stück für Stück durch die Alpen geackert. Immer wenn ich mutmasslich etwas entdeckte, schoss das Adrenalin in mir hoch. So war das eine zwar sehr zeitraubende, aber doch spannende Beschäftigung. Natürlich habe ich auch andere Quellen in der Literatur und dem Internet verwendet, um an die so oft sehr geheimen Orte zu kommen. Vor Ort kam dann erst heraus, ob Top oder doch Flop. Und wer mit offenen Augen durch die Südalpen reist, entdeckt auch so mal hier und da im Blätterdickicht oder einfach nur am Strassenrand ein „Geisterhaus“ wie aus dem Märchen.

LIGHTMAG: Deine Aufnahmen sind ausserordentlich ausdrucksstark. Hast du dich sehr lange mit deinen Motiven auseinandergesetzt oder war es vor allem deine Intuition, die solche Bilder entstehen liess?

Stefan Hefele: Ich kann glaube ich wahrhaftig behaupten, dass ich ein sehr intuitiver Mensch und Fotograf bin. Hier war es nicht anders. Mir war es wichtig, einen atmosphärisch-märchenhaft-gruseligen roten Faden durch das Buch zu ziehen. Nicht bei jedem Motiv, aber zumindest soll dieses Gefühl beim Betrachter in Erinnerung bleiben, wenn er durch ist. Auch die Arbeit mit frühem und spätem Sonnenlicht, wie ich das von der Landschaftsfotografie gewohnt bin, war mir gerade bei Aussenaufnahmen äusserst wichtig, um die gewünschte Atmosphäre zu erzeugen.
Zu Anfang des Projekts habe ich mir einen Stil zurechtgelegt, der im Laufe der Zeit noch etwas verfeinert wurde, aber grundsätzlich sich durch das ganze Projekt zieht. Beim Betreten der Objekte war dann auch immer recht schnell umgesetzt, was ich mir vorgestellt oder erhofft hatte. Viel Zeit, um mich mit den Motiven auseinanderzusetzen war nicht und ich hatte auch immer nur einen Versuch. Ich glaube, das reicht auch, um den WOW-Effekt zu erhaschen. Und ganz ehrlich, in so manchem Objekt wollte ich mich auch nicht unnötig lange aufhalten…

 

 

Stefan Hefele (1986) gehört mittlerweile zu den führenden Landschaftsfotografen Deutschlands. Seine leidenschaftliche Liebe zur Natur bringt er mit gefühlsbetonten Bildern vom hohen Norden bis zu den Tropen zum Ausdruck. Als gelernter Werbefotograf nutzt er sein professionelles Wissen aber auch in der Architektur- und Werbefotografie.

© Fotos: Stefan Hefele

www.stefan-hefele.de

fb: StefanHefelePhotography
IG: stefanhefele

 

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